Bullet Journal Stiftehalter

Aus einer alten Holzkiste aus dem Keller – Staub inklusive, Nostalgie gratis – wurde ein Bullet-Journal-Stiftehalter. Zumindest war das der Plan. Eigentlich super simpel. Kinderleicht. Dachten wir.

Dann kam Beton vom Nachbarn dazu (keine Fragen bitte), ein paar alte Gläser, die wir bei der Diakonie „gerettet“ haben, und irgendwo zwischen Größenwahn und Bastelwut noch eine Weihnachtsbeleuchtung. Klar. Logisch. Heraus kam am Ende irgendwas, das man wohl am ehesten als Federmäppchen auf Steroiden bezeichnen kann: Stifte nach Farben sortiert, für den schnellen Zugriff, falls einen völlig unerwartet eine kreative Phase anspringt wie ein schlecht gelaunter Chihuahua.
Mit etwas Farbe und ein paar richtig dicken, fetten Irgendwas-Dekoelementen haben wir das Ganze dann noch aufgehübscht, damit es nicht ganz so aussieht, als wäre es bei einem sehr emotionalen Baumarkt-Unfall entstanden.
Was wir allerdings nicht bedacht hatten: Beim ersten Wohnungswechsel wollte niemand dieses Ding die Treppe runtertragen. Überraschung es wiegt ungefähr so viel wie ein schlechtes Gewissen.

Seitdem war es alles:
Hocker, Fernsehtisch, Regal, Fußschemel und Briefbeschwerer.
Und seit einiger Zeit – man glaubt es kaum – wieder ein Bullet-Journal-Stiftehalter.
Recycling kann jeder. Wir machen Lebenszyklen.

Weihnachtsbirke

Die Weihnachtsbirke

Eigentlich war sie als Brennholz für den Kamin unseres Nachbarn gedacht. Birke natürlich – wohlerzogen, zivilisiert, kein Funkenflug. Das ideale Holz für Menschen, die selbst beim Abbrennen Sicherheitsabstand halten.

Nach ein paar Bierchen (rein diplomatisch) überredete ich ihn jedoch. Ich eröffnete der Birke eine zweite Karriere – ganz im Sinne meines zutiefst christlichen Lebensbildes. Statt zu brennen durfte sie als Weihnachtsschmuck meinen Garten zieren. Man hat schließlich Verantwortung. Auch gegenüber Holz.

Außerdem: Die Nachbarn hinterm Zaun brauchen Gesprächsstoff. Ein Birken-Weihnachtsbaum! Ein sozialer Katalysator aus Rinde und Restwürde. Vielleicht sogar der Anlass für ein Ehepaar, nach dem Auszug der Kinder wieder ein Weihnachten zu erleben, an dem man nicht nur schweigend den Braten anstarrt.

Also marschierten wir in meine Garage – eigentlich eine Werkstatt voller Dinge mit Charakter und Verletzungspotenzial.

Dort, zwischen Werkzeugen und zweifelhaften Ideen, begann das Projekt: ein Birken-Weihnachtsbaum. Nicht um zu gefallen – sondern für die Glubschaugen der Nachbarn. Und ihre Gespräche.

Kleiderpuppe gepimpt

Puppen Pimpen

Eine alte Bekannte löste ihre Schneiderstube auf – nach tausenden Knöpfen, endlosen Säumen und fünfzig Jahren Ehe mit Nadel und Faden. Romantik? Seele im Stoff? Ach was. Das ganze abgelebte Graffel sollte in den Container. Ende. Dachte sie.

Manche Geschichten springen allerdings kurz vor Schluss noch jemanden an. In diesem Fall: mich.

Besonders die Schneiderpuppe. Schön? Um Himmels willen, nein. Vergilbtes Plastik, Blick wie ein Finanzbeamter drei Minuten vor Feierabend. Nicht die Bekannte – die Puppe! Dieses Kunststoffweib brauchte dringend ein zweites Leben. Oder wenigstens einen Skandal.

Die Lösung: Das Hundehalsband unseres Gehsteigscheißerleins saß wie maßgeschneidert. Zack – Charakter. Dazu ein einzelner Brustschmuck (das zweite Teil ist seit Jahrzehnten verschollen, wie das eben so ist) – und schon driftete das Projekt stilvoll Richtung Domina. Kunst braucht schließlich Haltung.

Blöd nur: Sie hatte keine Beine. Statt langer Stelzen mit High Heels: Existenz im Sitzen. Also ab zur Diakonie, dem Weihrauchladen für zweite Chancen. Dort wartete eine alte Stehlampe – ohne Schirm, ohne Würde, aber mit Talent. Perfekt als Einbein. Für Standfestigkeit gab’s noch einen Klumpfuß aus Beton. Eine Dame kippt schließlich nicht einfach um.

Mit Farbe, Stil und einer dicken LED bekam die Dame Licht ins Oberstübchen. Kaum mit 220 Volt beseelt, war sie auch schon weg – meine Tochter hat sie fürs Wohnzimmer einkassiert.